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Erfolg in der Schule - mit Training und starkem Willen

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Mit hübsch geflochtenen Zöpfen erwartet uns die zwölfjährige Sina an der Schulhaustür. Sie freut sich auf das Interview – denn sie möchte zeigen, dass sie ein ganz normales Mädchen ist, das mit einer Sehbeeinträchtigung sehr gut leben kann. Auf den ersten Blick merkt man ihr nicht an, dass sie Unterstützung benötigt, um den Alltag genauso gut bewältigen zu können wie andere Kinder. Sina leidet unter Nystagmus – in der Umgangssprache Augenzittern genannt. Vor einigen Jahren war dies noch viel schlechter. Dass sie heute so sehen kann, verdankt sie intensivem Sehtraining und der richtigen Brille – einer sogenannten Gleitsichtbrille, welche im oberen Bereich eine starke Korrektur für die Ferne beinhaltet, im unteren Bereich für die Nähe. Der Umgang mit dieser Brille ist gar nicht so einfach und erfordert Training. Sina hat intensiv geübt und grosse Fortschritte gemacht.

«Ich möchte in Zukunft etwas von dem, was ich selbst erfahren habe, zurückgeben.» Sina

Zum Glück macht das Training mit der obvita Sehberaterin, Jana Nosal, Spass. Wie beispielsweise das Spiel Double Bubble – eine Art schnelles Memory, bei dem man Bilder schnell vergleichen muss – um fokussieren zu lernen. Oder das Spiel auf dem Schulhausgang, bei dem Sugus unter «Töggeln» hinterlegt sind und bei dem Sina lernt, sich im Raum zu orientieren und zu bewegen. Zu ihren Lieblingsübungen gehört das Suchen nach Gegenständen oder Personen im Wimmelbuch. «Sina hat gelernt, mit ihrer Sehschwäche umzugehen. Sie überlegt sich selbstständig, was für Möglichkeiten sie in welcher Situation hat: näher rangehen, die Sichtweise wechseln oder Strategien nutzen wie zum Beispiel Umrisse erkennen. Sie weiss, wie sie sich helfen kann und holt damit das Bestmögliche aus ihren Augen heraus», sagt Jana Nosal.

Bildergalerie

Sina wird bereits seit dem frühen Kindesalter von der obvita Sehberatung begleitet, damit sie sich wie alle anderen Kinder entwickeln kann. In der Schule arbeitet sie mit speziellen Hilfsmitteln, zum Beispiel eine Leselampe oder vergrösserte Arbeitsblätter. Weil sie nicht bis zur Wandtafel sieht, hatte sie früher ein Bildschirmlesegerät mit Fernkamera – das gefiel ihr gar nicht. Es war ihr zu gross, zu auffällig, zu mühsam. An einem Austauschwochenende mit anderen sehbehinderten Kindern erfuhr sie von einer Kollegin, dass diese mit einem Tablet arbeitet in der Schule. Sie erzählte ihrer Mutter und der Sehberaterin davon. Seit gut einem Jahr hat Sina nun ebenfalls ein Tablet – und ist glücklich damit. Ihre Lehrerin lässt die Schulbücher bei obvita so aufbereiten, dass sie auf das Tablet geladen werden können. So kann Sina den Schulstoff auf die richtige Grösse heranzoomen und alles lesen. Die Hausaufgaben an der Wandtafel fotografiert sie einfach mit dem Tablet und speichert sie sogleich auf dem Sperrbildschirm – so gehen sie nicht vergessen.

Früher sprach sie nicht gern über ihre Sehbehinderung. Heute ist sie so selbstbewusst, dass sie kürzlich in der Schule einen Vortrag mit öffentlicher Präsentation darüber gemacht hat. Auch die obvita Sehberatung führt in Schulklassen mit betroffenen Kindern Sensibilisierungen durch – um das Verständnis der anderen Schülerinnen und Schüler zu fördern. Bei Sina war dies gar nicht nötig. In der Klasse fühlt sie sich längst akzeptiert und wohl: «Sie nehmen mich so, wie ich bin. Wenn ich etwas nicht lesen kann, liest es mir einfach jemand vor», sagt sie. Bald kommt ein weiterer grosser Schritt: der Übertritt in die Sekundarschule. Darauf bereitet sich Sina jetzt schon vor; sie übt beispielsweise Tastaturschreiben, damit sie Diktate auf ihrem Laptop schreiben kann. Ob sie schon Berufswünsche hat? Ja, sie würde gerne einmal mit behinderten Menschen arbeiten. «Das sind alles Menschen wie wir», sagt sie, «mit einer tollen Ausstrahlung. Ich mag sie sehr gerne.» Sie möchte etwas von dem, was sie selbst erfahren hat, zurückgeben.