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Wage den Schritt - zurück geht immer

Federica Caputo arbeitete seit 2007 bei obvita in der Produktion. Ihr grosser Wunsch, beruflich mit Kindern zu arbeiten, hat sich nun dank «jobmacher» erfüllt.

Gespräche, immer wieder Gespräche… habe sie geführt mit ihrem Job Coach. Man könnte denken, das sei mühsam, aber Federica Caputo erzählt gleich weiter, dass genau diese Gespräche sie ihrem Ziel näher gebracht haben. Sie hatte es nie leicht: bei der Geburt bekam sie zu wenig Sauerstoff. In der Schule konnte sie nicht mithalten, es reichte einfach nie. Wenn die Lehrpersonen sie kritisierten, war sie oft demotiviert und erzielte noch schlechtere Noten. Gerne hätte sie eine Ausbildung mit Kindern gemacht, aber dazu reichten die Noten nicht. Im 2007 machte sie eine zweijährige Lehre als Industriepraktikerin bei obvita und arbeitete anschliessend als Stammmitarbeiterin in der Produktion. Die Arbeit gefiel ihr und sie hatte nette Kollegen.

Oft bin ich vor der Tür meines Job Coachs gestanden. Durch diese Gespräche habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen.

Sie wünschte sich jedoch mehr. Der Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, tauchte immer wieder auf. Es kostete sie viel Überwindung, den Ausbildungsverantwortlichen bei obvita darauf anzusprechen. Aber sie traute sich und wurde zu Gesprächen eingeladen in die Abteilung Berufliche Integration. Hier ging es darum, herauszufinden, was sie wirklich wollte. Sie hatte zwar ihre Wünsche, aber auch Angst, vor der Verantwortung, davor zu scheitern, oder nicht akzeptiert zu werden im ersten Arbeitsmarkt. Zwei Jahre arbeitete sie in diesen Gesprächen intensiv an sich selbst, gab nicht auf.

Mit Hilfe eines Unterstützungskreises kam schliesslich die Gelegenheit: ein Kindergarten in Herisau suchte Unterstützung für einen Jungen, dem es schwer fiel, sich in die Gruppe zu integrieren. Sie wurde zum Schnuppern eingeladen, es gefiel ihr sehr gut. Darauffolgend durfte sie ein dreiwöchiges Praktikum machen. Federica Caputo verstand sich gut mit dem Jungen, sie konnte sich Zeit nehmen, nur für ihn. «Ich habe mich in ihm in einer Form wiedergefunden und dabei sehr viel gelernt, auch über mich», blickt sie zurück. Bei den Gesprächen mit Eltern und der Schulpsychologin war sie ebenfalls mit dabei, was für sie eine Bereicherung war. Auch die Kindergartenverantwortlichen schätzten ihre Unterstützung und es kam zu einer Teilzeitanstellung.

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Nach zwei Jahren musste und konnte der Junge selbstständig werden in der Schule. Die Schule Herisau suchte eine neue Einsatzmöglichkeit für Federica Caputo und so durfte sie in der schulergänzenden Kinderbetreuung Herisau schnuppern. Das Team war nett, die Arbeit gefiel ihr und es war eine schöne Abwechslung zur Arbeit im Kindergarten. Auch ihre Vorgesetzte war zufrieden und so stand einem Praktikum nichts mehr im Weg, welches sie im Januar 2016 begann. Regelmässig fanden Standortgespräche mit allen Beteiligten statt. Oft sei sie vor der Tür ihres Job Coachs gestanden: wenn sie unsicher war, Zweifel an ihr nagten, sie persönliche Tiefs hatte oder einfach, wenn sie Hilfe und Tipps für den Alltag gebraucht habe. Durch diese Gespräche hat sie gelernt, auch an schwierigen Tagen verlässlich zu sein bei der Arbeit, eine gewisse Distanz zu haben zu ihren persönlichen Themen. Sie hat gelernt, Verantwortung zu übernehmen und hat grosse Schritte nach vorn gemacht, was ihr Selbstvertrauen betrifft.

Einen weiteren Schritt durfte sie im November 2016 machen: sie besuchte einen Kurs als Klassenassistentin. Der Nervosität vor der Schlusspräsentation hat sie getrotzt und hat bestanden! Und so rät sie jedem, der in der gleichen Situation ist wie sie: «Wage den Schritt! Zurück kannst du immer.»

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