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Loris Begeisterung für schnelle Autos, Geduldspiele und das Lernen mit dem iPad

Scheu und unsicher blickt er den Fotografen und die Reporterin an – was die wohl wollen? Loris ist skeptisch. Er dreht sich weg und begrüsst fröhlich seine Klassenkameraden. Loris hat das Down Syndrom und eine starke Seheinschränkung. Er hat einen Nahvisus von 0,1 – vereinfacht gesagt sieht er noch etwa 10 %. Die verbleibende Sehkraft wird durch künstliche Linsen unterstützt. Er ist zudem sehr lichtempfindlich und braucht eine spezielle Sonnenbrille. Wie sich seine Sehkraft weiterentwickeln wird, weiss man nicht.

Der Zwölfjährige geht im Heilpädagogischen Zentrum in Frauenfeld zur Schule. Im Begrüssungskreis erzählen die Schüler von ihren Erlebnissen am Vortag. Loris blüht auf – er durfte mit seinem Nonno Auto fahren. «Gib Gas!» ruft er und man spürt förmlich seine Faszination für Fahrzeuge. Aber nicht nur das Schnelle – auch das Langsame gefällt ihm. Er hat nämlich auch eine unglaubliche Geduld und die kommt ihm bei seinem Lieblingsspiel «Leiterlispiel» oder beim Puzzeln zugute.

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Doch zurück zum Schulmorgen. Nach dem Maschinenlied, das die Schüler engagiert instrumental begleitet und gesungen haben, geht’s an die heutige Aufgabenverteilung. Loris ist für den Aushang des Menüplans im Schulhausgang verantwortlich. Stolz zeigt er das Resultat seiner Mutter Melinda Carbogno, die auch auf Schulbesuch ist.

Jetzt darf Loris am iPad arbeiten. Seinen Arbeitsplatz richtet er selbst ein – manchmal bittet er um Hilfe. Er kann gut selbst einschätzen, was er kann und wo er Hilfe braucht. Er arbeitet im Zahlenraum 1 – 10, er kennt einzelne Buchstaben und Wortbilder, ordnet Farben zu. Am iPad übt er nun, kleine Buchstabenfolgen nach einer akustischen Vorgabe zu schreiben. Dafür nutzt er die Lern-App Visolino, die obvita eigens für Schüler und Schülerinnen mit Sehschwächen programmiert hat. Mit ihr kann er selbstständig üben und lernt den Umgang mit der Technik. Es macht ihm sichtlich Spass. Seine Mutter nutzt die Gelegenheit, bei den Lehrpersonen Fragen zur Lern-App zu klären, damit sie Loris zuhause bei den Hausaufgaben helfen kann. Die macht er sehr gerne und gewissenhaft.

«Mein Herzenswunsch ist es, dass Loris in unserer Gesellschaft seinen Platz findet.»

Alle zwei Wochen bekommt Loris in der Schule Besuch von Thomas Schegg, dem Sehberater von obvita. Er kennt Loris und weiss, was er mit seiner Sehbehinderung braucht zum Lernen. Er unterstützt die Lehrpersonen mit passendem Lernmaterial und Hilfsmitteln; bereitet diese für den Einsatz vor. Auch bei Elterngesprächen ist er dabei und gibt wertvolle Tipps. Loris braucht zum Beispiel sehr gutes Licht und einen starken Kontrast bei seinen Lernunterlagen. Das Sehen kann durch das Training nicht verbessert werden, aber der Umgang damit kann erlernt und verbessert werden. Loris macht Fortschritte mit der Sprache, er wird immer sicherer. Es sind kleine Schritte, aber stetige.

Mittlerweile hat Loris Freude am Fotografen – er lächelt selbstbewusst in die Kamera. Schlechte Laune kennt Loris gar nicht, sagt seine Mutter. Zuhause hilft er gerne beim Kochen, löst geduldig Puzzles, spielt mit seinen Autos oder tobt sich beim Trampolinspringen und Velofahren aus. Und wie andere Kinder macht er gerne mit seinen Freunden ab.

Seine Mutter Melinda hofft, dass sie ihren Sohn irgendwann loslassen und er möglichst selbstständig leben kann. Ihr Herzenswunsch ist es, dass Loris in unserer Gesellschaft seinen Platz findet. Und dies ist auch das Ziel von obvita – die gezielte Förderung und Freude im Alltag sowie eine möglichst hohe Eigenständigkeit.