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100 Stunden Outdoor: Ein weiteres Abenteuer mit sendero

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Um sich all der Güter um uns herum bewusst zu werden, entschieden wir uns von sendero, mit Bewohnenden von obvita vom Wohnen im Jugendalter, Lernenden und Bewohnende von St.Gallen nach Pfäffikon zu laufen. Denn: Minimalismus liegt im Trend. Minimalistinnen und Minimalisten sehen sich als Gegenpol zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft. Sie haben zum Ziel, den Kopf frei zu kriegen für wichtige Entscheidungen. Bereits der Philosoph Diogenes hatte sich um die 400 v. Chr. nach einem reduzierten und einfachen Leben gesehnt. Den Minimalisten geht es nicht darum, den materiellen Dingen komplett zu entsagen, sondern vielmehr um eine Reduktion ebendieser zu erwirken.

Einzelne Teilnehmer kannten einen Teil der Strecke bereits und motivierten ihre Mitbewohnenden mitzumachen. Die Strecke gab es mit Schlafsack, Zeltplanen und Kochgeschirr auf dem Rücken zu bewältigen. Das funktioniert aus Sicht erfahrener «Woodlander» jedoch nur, wenn auf das unwesentliche verzichtet und das Gepäck auf das Minimum reduziert wird. So waren es auch die immateriellen Anforderungen und nicht die materiellen Güter, welche aus Sicht der Teilnehmenden den Erfolg ausmachten:

  • Gesundheit und Sicherheit: Dafür sorgen, dass alle das Ziel erreichen können.
  • Zusammenhalt: Es sollen Ressourcen genutzt werden, es soll ein zusammen wachsen entstehen und kein «Ego-Trip» werden
  • Spass und Leidenschaft: Das Projekt soll Spass machen und Leidenschaft in uns wecken.
  • Persönliche Entwicklung: Seine eigenen Grenzen kennenlernen, sich auf etwas Neues einlassen, die Komfort Zone verlassen, die Natur als Lernraum entdecken, seinen eigenen Standpunkt vertreten, Entscheidungen treffen

Mit der Frage, was hinter dem minimalistischen Lifestyle steckt, machten wir uns auf den Weg von St. Gallen nach Pfäffikon. Zu Fuss und während vier Tagen in der Natur. Viele fragten sich, was uns allen wohl begegnen wird? Der Weg sollte mit reiner Muskelkraft gegangen, das Essen, wenn möglich am Feuer gekocht werden. Zwei erfahrene Erlebnispädagogen von obvita und ein Sozialpädagoge in Ausbildung unterstützten die Jugendlichen. Für die meisten Teilnehmenden waren 100 Stunden in der Natur etwas ganz Neues. Die meisten haben ihre Annehmlichkeiten zurückgelassen und nahmen nur das Nötigste mit. Alle waren auf eine stetige Fortbewegung angewiesen, um auf dem Weg einkaufen zu können und damit die Grundbedürfnisse zu decken. Es war eine nomadische Erfahrung, ein tägliches weiterziehen. Im Rückblick haben den Teilnehmenden von obvita die Übernachtungen im Freien mit am besten gefallen:

«Ich habe schon lange nicht mehr so gut geschlafen, wie unter dem beruhigenden Prasseln des Regens auf die Zeltblache», sagte beispielsweise eine Teilnehmerin.

Dieses «auf sich selbst gestellt sein» erinnerte viele daran, dass der Gruppenzusammenhalt eminent wichtig ist. Die Gespräche am Feuer gaben dem Projekt eine Gestalt und den Jugendlichen wurde bewusst, dass die Gemeinschaft den grössten Mehrwert darstellt. Sie ermöglicht einen Perspektivenwechsel der ein gemeinsames Wachsen zulässt. Am letzten Tag waren alle körperlich am Ende, aber die Blicke strahlten Freude und Zuversicht aus.

«Ich war mit den Gedanken ganz bei mir. Die Schmerzen der Blasen an den Füssen habe ich nicht mehr gespührt. Der Gedanke war schon nächsten Schritt», fasst ein Teilnehmer die Erlebnisse zusammen.

Die Teilnehmer waren zusammengewachsen und hatten nur noch das Ziel vor Augen: Nach 60 Kilometer über unwegsames Gelände das Ziel in Pfäffikon erreichen. Am Ziel hätte der Kontrast zwischen Natur und Zivilisation nicht stärker sein können. Dies sah man in den Gesichtern, in denen sich Freude und Wehmut abwechselte.  

In der Natur mit dem allernötigsten bepackt und zu Fuss unterwegs zu sein, hatte eine entschleunigende Wirkung. Die Teilnehmenden erlangten Abstand von alltäglichen Dingen, die mutmasslich unverzichtbar sind. Es wurde klar, dass der Bezug zur Natur und das Bewusstsein einer Gemeinschaft ein Gewinn ist. Das Projekt von sendero mit obvita ermöglichte den Bewohnenden in eine andere Welt einzutauchen. Eine Welt, die uns daran erinnert, dass die Menschen viele Fähigkeiten besitzen. Eine Dusche zu besitzen wurde zweitrangig. Viel wichtiger waren Fähigkeiten wie Kochen, lange Distanzen gehen, etwas Bauen aber auch zu spüren, dass nicht alles immer planbar ist und Nässe und Hitze uns körperlich wie geistig herausfordern. Den Blick auf das Wesentliche zu richten und danach zu leben, heisst eben auch den Blick auf die eigenen Ressourcen und die Ressourcen der Gruppe zu richten. Die liegengebliebenen Stirnlampen waren schnell vergessen. Man half sich gegenseitig mit den Handylampen aus.

Weniger ist mehr.

Dieses Projekt konnte nur dank der grosszügigen Unterstützung der Stiftung Helvetia Patria Jeunesse durchgeführt werden. Insbesondere die bequemen Schlafsäcke, Matten und modernen Rucksäcke ermöglichten uns dieses ambitionierte Ziel zu erreichen.

 

Hier gibt es mehr Informationen zu sendero