Accesskeys

Sie sind hier:

Zu Fuss von St. Gallen nach Zürich – Herausforderung geschafft!

Fünf junge Männer, mit Rucksäcken und Schlafmatten im Gepäck, pausieren auf dem Steg in Rapperswil am Zürichsee.

Letztes Jahr entstand während einem Abendessen im Wohnen im Jugendalter eine Projektidee. Mehrere Jugendliche setzten sich damals zum Ziel, von St. Gallen nach Zürich zu wandern. Während den Pfingsttagen setzten sie diese Idee um.

Der Weg sollte möglichst selbstständig, unabhängig und mit reiner Muskelkraft gegangen werden. Zusätzlich wünschten sie sich, während den vier Tagen in der Natur zu leben, am Feuer zu kochen und selber geschützte Schlaf- und Lagerplätze einrichten zu können. Mit Unterstützung der Betreuungspersonen organisierten die Jugendlichen ihr Projekt. Als Route wählten sie den Jakobsweg. Das Ziel war klar, aber der Weg herausfordernd: Es galt 70 Kilometer und 2‘000 Höhenmeter zu meistern. Die sieben Teilnehmenden aus dem Wohnen im Jugendalter und dem externen Wohnen verwendeten für dieses Abenteuer einen Tag Ferien und ihre Pfingstfeiertage. 

«Jugendliche sehnen sich nach einfachen, aber herausfordernden Erlebnissen.» David Garcia, Bereichsleiter Wohnen im Jugendalter

Vor dem Start mischten sich Vorfreude und Sorge. Klar war nur, dass dieses Erlebnis für alle eine ganz neue Erfahrung sein würde. Niemand wusste, wo er abends sein und übernachten könnte. Dieses ungewisse Gefühl war für Viele ganz neu. Einige Teilnehmende mussten wegen körperlichen Beschwerden die Gruppe verlassen und heimkehren. Trotz diesen Veränderungen verloren die Verbleibenden das Ziel nicht aus den Augen. Alle hatten an einem der vier Tage eine ganz persönliche Krise zu überwinden. Diese Krisen waren so unterschiedlich wie die Menschen, die sich gemeinsam auf den Weg gemacht hatten. Die Arbeit mit Metaphern am nächtlichen Lagerfeuer wurde zu einem Ritual. Wie im normalen Leben auch stellten viele Teilnehmende fest, dass der Weg nicht immer sonnig und flach ist. Auch das Riz Casimir, dessen Zutaten über vier Pässe getragen wurde, schmeckte anders als sonst. Allen Teilnehmenden wurde bewusst, wie viel Aufwand und Teamgeist es in der Natur benötigt, um während vier Tagen selbstständig zu leben. 

Bildergalerie

Vier der sieben Teilnehmenden erreichten stolz ihr Ziel in Wädenswil - zwei von ihnen mit einer starken Sehbeeinträchtigung. Sich nachts im Wald mit einer Sehbeeinträchtigung zu orientieren, ist noch eine zusätzliche Herausforderung. Sie alle haben es dank ihrem starken Willen und einem guten Zusammenhalt in der Gruppe geschafft. Eine Leistung, die Respekt verdient! 

«Das Naturerlebnis war intensiv. Obwohl es sehr streng war, konnte ich mich entspannen. Nach den 3 Tagen in der Natur fühlte es sich komisch an, in den Alltag nach St. Gallen zurückzukehren.» Elvis, Lernender

David Garcia, Bereichsleiter Wohnen im Jugendalter und Hauptverantwortlicher für dieses Projekt: «Für mich ist es wichtig, Jugendlichen neue, ungewohnte Erlebnisse zu ermöglichen. Ich bin überzeugt, dass sich viele Jugendliche nach einfachen Erlebnissen sehnen. Heute steht ihnen ein schier endloses und vielfältiges, teils aber auch überforderndes Freizeitangebot zur Verfügung. Die einfachen Dinge gehen dabei verloren: Ein Feuer machen, draussen schlafen, zu Fuss ein Ziel erreichen, das Zusammensein geniessen. Bei unserem Trekking konnten die Jugendlichen dank den gemeinsamen Erlebnissen den inneren Draht zueinander finden. Wir haben gemeinsam gespielt, gestaunt und viel gelacht.» David Garcia ist überzeugt, dass diese Erlebnisse inneren Halt geben, das Selbstvertrauen stärken und in den Alltag übernommen werden können. So haben die Teilnehmenden nicht nur ein grosses Ziel erreicht, sondern viel fürs Leben gelernt. 

Text: David Garcia

Wohnen im Jugendalter
Ausbildung bei obvita