Voll im Einsatz

Ein Mann mit dunkler Sonnenbrille und blauem Hemd sitzt an einem Tisch und schaut auf einen Laptop. Ihm gegenüber sitzt eine weitere Person, die nur teilweise zu sehen ist; sie trägt eine Brille, und auf dem Tisch liegt ein rotes Armband.

Wenn Roland morgens um 5.30 Uhr aufsteht, tut er das nicht aus Zwang – es ist sein Rhythmus. Sein Arbeitstag beginnt um 7.00 Uhr. Roland ist wie jeder andere, mit ein, zwei Unterschieden. Wir stellen ihn vor.

Roland ist vollblind, er lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in der obvita Flechterei. Er ist bei obvita längst eine Konstante. Einer, den viele kennen. Ein Mann weniger Worte, aber vieler Aktivitäten.

Roland ist in St.Gallen geboren, Bürgerort Nesslau. Blind ist er nicht von Geburt an. Mit sieben Jahren verliert er sein Augenlicht – plötzlich, von einem Tag auf den anderen. Ein einschneidender Bruch. Und doch auch ein Lebensweg, der bei aller Unterstützung von Selbständigkeit geprägt ist. Den Eltern war nur wichtig: er soll nahe an seinem Zuhause bleiben.

Einstieg bei obvita

1982, mit 18 Jahren, kommt Roland zu obvita. Für ihn sind das mehr als Zahlen. «Man könnte sagen: ein Leben», beschreibt er seine Zeit hier. Zuerst lebt er im alten Blindenheim – mit Zweierzimmern, kleinen Räumen, wenig Komfort. Vieles wirkt aus heutiger Sicht wie aus einer anderen Epoche: sichtbare Leitungen, alte Türen, lange Wege. Später kommen Umbauten, ein Lift, Übergangslösungen – bis schliesslich der Umzug in der Zwischenzeit erbaute, modernere Formformen bei obvita erfolgt. Heute lebt Roland im Wohnheim für Erwachsene bei obvita, das Zimmer mit eigenem Bad/WC bietet und grossen Küchen und Gemeinschaftsbereichen.

Roland sagt offen: das Neue ist grösser, praktischer, heller. Und trotzdem bleibt die Erinnerung an das Alte – weil es auch vertraut und gewachsen war.

Die Flechterei

In der Flechterei ist Roland seit über 40 Jahren. Eine riesige Zahl. Heute für die meisten unvorstellbar, so lange an einem Ort zu arbeiten. Roland beschreibt das nicht dramatisch – eher so, wie Menschen über etwas sprechen, das für sie einfach passt: Er habe damals «hineinschauen» dürfen, und es habe ihm sofort gefallen. Im Flechten braucht es Genauigkeit, Geduld und Fingerspitzengefühl. Heute flechtet er vor allem auftragsbezogen, oft Reparaturen, manchmal ungefähr ein Stück pro Woche – je nachdem, wie die Aufträge reinkommen. Er arbeitet weiterhin mit hoher Präsenz: 95%, «voll im Einsatz».

In der Freizeit aktiv

Vor einem dunkelblauen Vorhang steht eine Person, die eine schwarze Mütze, eine dunkle Sonnenbrille und ein weißes T-Shirt trägt, auf dem der Schriftzug „Ich störe“ teilweise rot durchgestrichen ist. Außerdem trägt sie grüne Hosenträger mit weißen Mustern.
Roland ist auch beim obvita Stammtisch dabei.

Was Roland auszeichnet, ist nicht nur seine Arbeitsleistung – sondern seine Haltung: er ist aufmerksam, strukturiert, verlässlich. Auch nach Feierabend bleibt er aktiv. Er spielt «Show Down» (eine Sportart für Blinde und Sehbeeinträchtigte ähnlich Air Hockey), er geht schwimmen und ist gerne unterwegs – mal Kaffee trinken, mal ein Ausflug. Ein Ort ist für ihn besonders: das Café Gschwend am Marktplatz in St.Gallen. Mitten in der Stadt, mitten im Leben.

Und dann ist da noch etwas, das bei Roland einen grossen Stellenwert hat: seine Liebe zur Musik. Roland ist ein grosser Fan der Kastelruther Spatzen. Minimum der grösste in St.Gallen. Er hat die Gruppe schon öfter live gesehen; mehrfach auch in Südtirol.

Aktiv in der BEKO

Roland bringt sich in der obvita Bewohnendenkommission (BEKO) ein. Er findet es wichtig, dass Anliegen aus dem Alltag bei den Menschen landen, die Entscheidungen ermöglichen können. Ihm sind die scheinbar kleinen Dinge wichtig – Organisation, Abläufe, Fairness –, die für den Alltag in einer Wohngemeinschaft entscheidend sind. Für Roland ist klar: Mitreden bedeutet nicht, zu dominieren. Sondern Verantwortung zu übernehmen. Es ist fast schon logisch, dass Roland auch Teil des obvita Stammtischs ist, der die Öffentlichkeitskampagne von obvita entwickelt hat.

Wenn man Roland fragt, was obvita für ihn ist, schwingt etwas Warmes mit: Früher sei alles kleiner gewesen, fast wie eine «Schweizer Familie», sagt er sinngemäss – man kannte sich, die Wege waren kurz, die Menschen vertraut. Heute ist obvita grösser, vielfältiger, vernetzter. Roland sieht diese Entwicklung. Und er ist seit vielen Jahren Teil davon. Vielleicht ist das das Besondere an Roland: Er erzählt nicht, um zu beeindrucken. Er erzählt so, wie er lebt: konkret, und ehrlich. Und genau deshalb hört man genau hin und nimmt vieles mit. Roland ist einer derer, die obvita einzigartig machen.

#jobsmitsinn

Arbeiten bei obvita

Ob mit oder ohne IV – bei obvita gibt es unzählige Möglichkeiten, sich sinnstiftend und produktiv einzubringen.

Ein Teil unserer engagierten Mitarbeitenden feiert die 4-Sterne-Auszeichnung im EFE-Assessment – von oben festgehalten und mit einem herzlichen Winken in die Zukunft.