«Altherr wäre begeistert gewesen»

Lehrer. Gründer. Sozialpionier. Ulrich Victor Altherr (bzw. Viktor Altherr, in heutiger Schreibe) hat 1901 den Ostschweizerischen Blindenfürsorgeverein mitbegründet. Trotz seines reichen Erbes ist über den Lehrer aus Trogen wenig bekannt. Wir haben uns auf eine Spurensuche begeben. Und lassen ihn selbst zu Wort kommen.

Portrait Viktor Altherr, Gründer von obvita Ostschweizerischer Blindenfürsorgeverein.

Was bleibt von einem Menschen, über den es nur wenige Informationen gibt, dessen Idee aber seit mehr als 125 Jahren weiterwirkt? Diese Seite sammelt Fakten über und Annäherungen an Viktor Altherr: als Gründer, als Netzwerker, als religiös geprägter Sozialpionier und als Mensch seiner Zeit.

Spurensuche zum Anfang von obvita

Viktor Altherr hinterliess keine laute Selbstdarstellung. Ein Lehrer aus Trogen, ein Verein mit über 1’600 Mitgliedern zur Gründung, ein Laden mit von blinden Menschen hergestellten Gebrauchsartikeln, ein Blindenheim an der Bruggwaldstrasse und ein Gedanke, der bis heute trägt: Menschen mit Beeinträchtigungen sollen nicht am Rand stehen, sondern ihren Platz in der Gesellschaft haben. Das Ergebnis 125 Jahre nach Gründung des Ostschweizerischen Blindenfürsorgevereins ist obvita: ein Sozialunternehmen mit rund 600 Mitarbeitenden, 70 Lernenden und einer breiten Angebotspalette für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, psychischen Beeinträchtigungen und Entwicklungsschwierigkeiten.

Der Historiker Oliver Ittensohn nennt Altherr eine Persönlichkeit, die es verdient hätte, stärker bekannt zu sein. Gerade weil über ihn erstaunlich wenig systematisch erschlossen ist, wird die Suche nach ihm spannend: Sie führt nicht nur zu einem einzelnen Gründer, sondern in eine Zeit, in der soziale Verantwortung noch stark von Vereinen, Stiftungen, kirchlichen Kreisen und engagierten Einzelpersonen getragen wurde.

#viktorlebt

Was Viktor Altherr heute sagen würde

Ein Gespräch über Zeitgrenzen hinweg: Im KI-Podcast begegnen wir Viktor Altherr als Stimme aus der Geschichte. Quellenbasiert, fiktiv und mit Blick auf die obvita von heute. Was würde ihn überraschen? Was würde er wiedererkennen? Und was würde er uns über Teilhabe, Arbeit und Verantwortung sagen?

Ein Schwarz-Weiß-Porträt eines älteren Mannes mit Brille und Anzug, über dessen Gesicht ein großes gelbes Lautstärkesymbol eingeblendet ist.
Portrait Oliver Ittensohn, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden
Historiker Oliver Ittensohn

Ein blinder Fleck in der Ostschweizer Geschichte

«Er hätte es verdient, stärker bekannt zu sein.» Historiker Oliver Ittensohn erklärt, weshalb über Viktor Altherr erstaunlich wenig bekannt ist, warum gerade das den Blick auf ihn spannend macht und wieso Viktor Altherr von obvita heute begeistert wäre. Das Gespräch führt in eine Zeit, in der soziale Hilfe stark von Vereinen, Stiftungen und engagierten Persönlichkeiten getragen wurde.

Biografie

Vom Lehrer zum Sozialpionier.

Die Biografie von Historiker Oliver Ittensohn zeichnet den Weg eines Mannes nach, der aus der Lehrerstube heraus ein soziales Lebenswerk aufbaute. Sie erzählt von prägenden Stationen, von seiner Frau Anna Huber, von der Gründung des Vereins und von Altherrs schweizweiter Vernetzung im Blindenwesen.

Ein älterer Mann mit Schnurrbart und runder Brille, der einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine Krawatte trägt, posiert für ein formelles Schwarz-Weiß-Porträt vor einem schlichten Hintergrund.
Ulrich Victor Altherr (Viktor Altherr)
Quelle: Appenzellische Jahrbücher, Band 73, 1945