Berufsfachschule PrA Ost

Eine Lehrerin steht neben einer sitzenden Schülerin und hilft ihr bei den Hausaufgaben an einem Schultisch. Die Schülerin betrachtet ihre Arbeit, während die Lehrerin auf etwas auf dem Tisch zeigt. Andere Schüler arbeiten im Hintergrund.

Ein Schritt näher an die normale Berufsfachschule

Mit der Berufsfachschule PrA Ost bündeln Valida, HPV Uzwil-Flawil und obvita seit 2024 ihre Kräfte in der beruflichen Bildung. PrA-Lernende werden je nach Berufsrichtung an einem passenden Kompetenzzentrum unterrichtet – über die Grenzen der eigenen Institution hinaus. Bei obvita besuchen unter anderem Lernende aus Hauswirtschaft, Betriebsunterhalt, Büro und Pflege die Berufsfachschule. Wir haben mit Gabi Soldati, Leiterin Fachstelle Berufliche Bildung, über die Idee, erste Erfahrungen und die nächsten Schritte gesprochen.

Gabi, weshalb wurde die Berufsfachschule PrA Ost ins Leben gerufen?

PrA-Lernende sollen stärker in die Normalität einer Berufsfachschule kommen. Gleichzeitig wollten wir die Qualität des Unterrichts weiterentwickeln. PrA-Lernende bringen sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit. Manche sind nahe an einer EBA-Ausbildung, andere benötigen deutlich mehr Unterstützung. Wenn wir die Berufsrichtungen fachlich bündeln, können wir gezielter unterrichten, vertiefter auf die Lernenden eingehen und sie individueller fördern. In einzelnen Fällen kann so vielleicht auch der Übertritt in eine EBA-Ausbildung möglich werden.

Wie sah der Unterricht vorher aus?

PrA-Lernende hatten auch vorher Schule. Der Unterricht wurde aber in den einzelnen Institutionen organisiert, oft bereichsübergreifend. Das heisst: Lernende aus sehr unterschiedlichen Berufsfeldern waren teilweise gemeinsam in einer Klasse. Mit der PrA Ost ist der Unterricht nun stärker zentralisiert und nach Berufsrichtungen organisiert. Das ist fachlich ein grosser Vorteil.

Wer ist an der Berufsfachschule PrA Ost beteiligt?

Getragen wird die PrA Ost von Valida, HPV Uzwil-Flawil und obvita. Entstanden ist die Zusammenarbeit aus einem gemeinsamen Konzept, das bei der IV eingereicht wurde. Am Anfang waren mehr Institutionen im Gespräch. Am Ende sind drei starke Partner übriggeblieben, die das Projekt gemeinsam umgesetzt haben.

Wie funktioniert die Aufteilung der Lernenden?

Die Lernenden besuchen je nach Berufsfeld das passende Kompetenzzentrum. Bei Valida werden zum Beispiel Lernende aus Schreinerei, Garten und Industrie unterrichtet. Logistik und Mechanik sind bei HPV Uzwil-Flawil angesiedelt. Bei obvita sind unter anderem Hauswirtschaft, Betriebsunterhalt, Büro und Pflege vertreten. Insgesamt werden an den drei Standorten rund 100 Lernende beschult.

Was bedeutet das konkret für obvita?

Für obvita ist das eine schöne und sinnvolle Entwicklung. Wir können unsere Kompetenzen in der beruflichen Bildung einbringen und gleichzeitig profitieren unsere Lernenden vom Austausch über die eigene Institution hinaus. Auch externe Lernende kommen zu uns, wenn ihre Ausbildungsinstitution keine eigene PrA-Schule führen kann oder nur wenige Lernende in diesem Bereich hat. Eine eigene Schule für drei oder vier Lernende aufzubauen, wäre oft nicht sinnvoll.

Welche ersten Erfahrungen habt ihr gemacht?

Die Rückmeldungen sind insgesamt positiv. Der Pilot ist abgeschlossen, und wir haben eine Umfrage bei den beteiligten Institutionen durchgeführt. Eine Herausforderung bleibt der Weg für Lernende mit höherem Unterstützungsbedarf. Da braucht es Offenheit und individuelle Lösungen. Wenn der Schulweg oder der Unterstützungsbedarf für einzelne Lernende nicht passt, muss man sorgfältig hinschauen.

Und wie erleben die Lernenden die neue Schule?

Viele finden es sehr positiv. Einige sagen sinngemäss: Ich komme einmal aus meiner eigenen Institution heraus, ich habe einen Schulweg, ich gehe wie andere Lernende auch zur Schule. Das ist wichtig. Es geht nicht nur um Unterricht, sondern auch um Teilhabe und Normalität. Auch wenn die Schule weiterhin in einer sozialen Institution stattfindet, ist es für viele Lernende ein Schritt nach aussen.

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen den drei Institutionen?

Sehr gut. Wir haben einen offenen und ehrlichen Austausch. Auf strategischer Ebene treffen wir uns zu dritt und besprechen die Weiterentwicklung. Auf operativer Ebene arbeiten die Lehrpersonen zusammen, zum Beispiel bei gemeinsamen Berichten, Zeugnissen oder organisatorischen Fragen. Wichtig ist, dass niemand zu kurz kommt und dass wir gemeinsam gute Lösungen finden.

Ist diese Form der Zusammenarbeit neu?

In dieser Form ja, weil es die gemeinsame Berufsfachschule vorher nicht gab. Gleichzeitig ist der Austausch im Bildungsbereich grundsätzlich weniger von Konkurrenz geprägt. Es geht um die Jugendlichen. Unser gemeinsames Ziel ist, für jede junge Person den geeigneten Platz zu finden.

Weshalb ist die PrA-Ausbildung so wichtig?

Jeder Mensch soll, wenn immer möglich, Zugang zu Ausbildung haben. Es gibt Jugendliche, die handwerklich sehr geschickt sind, aber kognitiv den Schritt in eine EBA-Ausbildung nicht schaffen. Für sie ist die PrA ein wichtiger und passender Ausbildungsweg. Die PrA ist übrigens nicht neu, sie hatte früher einfach andere Bezeichnungen.

Wie könnte sich die PrA Ost weiterentwickeln?

Langfristig wäre es ein grosser Schritt, wenn PrA-Klassen auch an öffentlichen Berufsfachschulen stattfinden könnten – mit unseren Lehrpersonen, aber als Teil eines regulären Schulhauses. Erste Abklärungen mit öffentlichen Berufsfachschulen laufen. Die Idee ist, mit Pilotklassen Erfahrungen zu sammeln. Das ist sicher nichts von heute auf morgen, aber es ist eine spannende Perspektive.

Was ist für dich das Wichtigste an der PrA Ost?

Die Zusammenarbeit: Valida, HPV Uzwil-Flawil und obvita arbeiten sehr konstruktiv zusammen. Wir bündeln unsere Kräfte, bringen unsere jeweiligen Stärken ein und behalten das gemeinsame Ziel im Blick: gute Bildung, passende Förderung und mehr Normalität für PrA-Lernende.

Infobox: PrA Ost kurz erklärt
Die PrA Ost ist eine gemeinsame Berufsfachschule für Lernende in der Praktischen Ausbildung PrA. Getragen wird sie von Valida, HPV Uzwil-Flawil und obvita. Ziel ist es, den Unterricht fachlich zu bündeln und PrA-Lernenden ein schulisches Umfeld zu bieten, das näher an einer regulären Berufsfachschule ist. Die Lernenden besuchen den Unterricht je nach Berufsrichtung an einem der drei Kompetenzzentren. Dort werden sie in Allgemeinbildung, Fachkunde und Sport unterrichtet. Gleichzeitig profitieren sie vom Austausch mit Lernenden aus anderen Institutionen und von einem Unterricht, der stärker auf ihre berufliche Richtung ausgerichtet ist. Insgesamt werden an den drei Standorten rund 100 Lernende beschult. Bei obvita besuchen unter anderem Lernende aus Hauswirtschaft, Betriebsunterhalt, Büro und Pflege die PrA Ost.

Einfach gesagt

Gemeinsam lernen wie an einer normalen Berufsfachschule
Die Berufsfachschule PrA Ost gibt es seit 2024. Valida, HPV Uzwil-Flawil und obvita arbeiten zusammen. Sie organisieren gemeinsam die Schule für Lernende in der Praktischen Ausbildung PrA. Die Lernenden gehen je nach Beruf in ein passendes Kompetenzzentrum. Bei obvita lernen zum Beispiel Personen aus Hauswirtschaft, Büro, Pflege oder Betriebsunterhalt. Früher hatten die einzelnen Institutionen ihren eigenen Unterricht. Heute ist der Unterricht stärker nach Berufen organisiert. Das hilft den Lernenden. Die Lehrpersonen können besser auf die einzelnen Personen eingehen. Viele Lernende erleben die neue Schule positiv. Sie gehen zur Schule wie andere Lernende auch. Das gibt mehr Normalität und stärkt die Teilhabe. Die drei Institutionen arbeiten eng zusammen. Ihr gemeinsames Ziel ist gute Bildung und passende Unterstützung für alle Lernenden. In Zukunft könnten PrA-Klassen vielleicht auch an öffentlichen Berufsfachschulen stattfinden. Dafür laufen erste Abklärungen.

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