Die Serie «Blind» sorgt für Aufruhr

Drei Personen stehen in einer Reihe, über ihnen ist das Wort „BLIND“ in großen Großbuchstaben eingeblendet.
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Werbebanner Juan Ruiz bei obvita. Infos: obvita125.ch/juan

Der Titel sagt schon, worum es in der Serie von SRF geht. Viele Medien stürzen sich auf die Kritik an der Serie. Wir nehmen die Serie genauer unter die Lupe.

Die Schweizer Serie «Blind», produziert vom SRF, basiert auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman der Autorin Christine Brand.

Der Protagonist ist der Barkeeper «Nathaniel», gespielt von Sven Schelker. Er gerät in eine unangenehme Situation, als er blutüberströmt auf einem Polizeiposten auftaucht. Er ist davon überzeugt, dass eine schwangere Frau entführt wurde. Doch mit seinem Erscheinungsbild wirft er zunächst kein gutes Licht auf sich selbst. Der Haken an der Geschichte: Nathaniel sieht selbst nicht, was vor ihm geschieht, denn er ist blind.

Die Serie greift ein Thema auf, mit dem viele Menschen im Alltag nur wenige Berührungspunkte haben: das Leben und den Alltag eines blinden Menschen. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt: Wie realistisch wird der Alltag einer blinden Person dargestellt?

Wie wird die Serie aus der Sicht einer Expertin für Sehen und Nicht-Sehen beurteilt?
Sabine Schmidt arbeitet in der obvita Sehberatung und ist zuständig für Orientierung und Mobilität. Wir wollten von ihr wissen, was sie zur Umsetzung der Serie denkt.

Eine Serie fachlich zu beurteilen, ohne sie vollständig gesehen zu haben, wäre nicht seriös. Was sich aber schon jetzt positiv festhalten lässt: Der Langstock bekommt durch die Serie „Blind“ Sichtbarkeit. Im Alltag zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen wenig darüber wissen, was ein Langstock bedeutet und wie sie reagieren können, wenn ihnen eine blinde oder sehbeeinträchtigte Person mit Langstock begegnet. Die Hoffnung ist, dass die Serie genau darüber Gespräche anstösst, Interesse weckt und mehr Menschen einen Zugang zum Thema finden.
Es gibt nicht „den blinden Menschen“. Menschen erhalten Schulungen, Strategien und Techniken an die Hand, setzen diese im Alltag aber sehr unterschiedlich um. Wie bei sehenden Menschen prägen Persönlichkeit, Erfahrungen und Vorlieben den Alltag und den Umgang mit Hilfsmitteln. Strategien werden angepasst, weiterentwickelt, selbstverständlich genutzt oder manchmal auch kaum eingesetzt.
Wenn der Langstock dadurch selbstverständlicher wahrgenommen und besser verstanden wird, ist bereits viel gewonnen.

Wir freuen uns auf jeden Fall darüber, dass blinde und sehbeeinträchtigte Menschen in den Medien stärker vertreten sind und dadurch mehr Sichtbarkeit für Menschen mit einer Sehbehinderung geschaffen wird. Passend dazu findet bei obvita bald ein besonderer Anlass statt:

Mit den Augen sehen

Wie findet man seinen Weg, wenn man nichts sieht? Juan Ruiz nutzt dafür unter anderem seine Ohren. Der von Geburt an blinde Mobilitäts- und Wahrnehmungstrainer orientiert sich mit Hilfe von Echolokalisation – und bewegt sich damit selbständig durch seine Umwelt. Am Donnerstag, 12. November 2026, ist er im obvita Tageszentrum in St. Gallen zu Gast. An diesem inspirierenden Anlass erzählt Juan aus seinem Leben, demonstriert die Technik uns steht für Fragen zur Verfügung. Der Eintritt ist kostenlos, die Platzzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist erforderlich. Mehr Informationen: obvita125.ch/juan.

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